Bei schnellen Entscheidungen hilft mir das Vertrauen in meine Mitarbeiter und mein eigener Erfahrungsschatz.

Michael Schiehlen
Senior Director / Marketing, Sales & Service - Consumer Optics Business Group
Carl Zeiss AG

Michael Schiehlen, 44, leitet Vertrieb, Service und Marketing der Sparte Camera Lenses bei der Carl Zeiss AG. Sein internationales Team kümmert sich um die Vermarktung und Distribution von Foto und Filmobjektiven, Smartphone‐Zubehör und Virtual‐Reality‐Brillen. Schiehlen hat mehr als 12 Jahre Erfahrung im Vertriebsmanagement von Konsumprodukten. Von 2004 bis 2009 war er mitverantwortlich für die Vermarktung von ZEISS Brillengläsern in Europa. Bevor er bei ZEISS einstieg, studierte der gelernte Bankkaufmann internationale Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Aalen.

BdVM: Was sind Ihre besonderen Herausforderungen als Leiter Marketing, Sales und Service bei der Carl Zeiss AG?
Schiehlen: Unter anderem bin ich verantwortlich für die Vermarktung und den Vertrieb von hochwertiger Optik für die Fotografie, zum Beispiel für die Objektivserie ZEISS Batis für spiegellose Vollformat‐Kameras von Sony und die Reihe ZEISS Otus – Weltklasse‐Objektive für Spiegelreflexkameras von Canon und Nikon. Die größte Herausforderung kommt momentan direkt aus dem Markt: Die Nachfrage nach Systemkameras schrumpft, weil man mittlerweile auch mit Smartphones tolle Fotos machen kann. Allerdings ergeben sich daraus auch Chancen für uns: Durch den Einfluss der Smartphone‐Fotografie gibt es mehr Fotografen als je zuvor – und deren Qualitätsansprüche steigen. Wer seine Kreativität ausleben und seine Fotokunst aufs nächste Level heben will, ist bei ZEISS richtig: Wir bieten ambitionierten Fotografen verschiedene Linien an hochwertigen Wechselobjektiven für Kamerasysteme von Sony, Canon, Nikon, Leica und Fuji. Im Marketing versuchen wir, interessanten und relevanten Content zu generieren, der neue Kunden für unsere Marke und Produkte begeistert – zum Beispiel auf unserem Fotografie‐Blog Lenspire.

BdVM: Die Trends unserer Branche sind …
Schiehlen: Im Fotomarkt sehen wir einen Trend der Digitalisierung im Handel. Es gibt heute kaum noch Fotohändler, die ausschließlich vom Ladenverkauf leben können. Auf der Produktseite werden die Kamerasysteme immer kompakter, leichter und langfristig günstiger. In der Sparte Virtual Reality wollen wir am Trend VR‐Gaming partizipieren. Dieser Markt entwickelt sich sehr schnell weiter in Richtung Augmented Reality (AR). Damit entstehen neue Anwendungen, neue Produkte und damit neue Chancen für uns. Wenn Sie nicht in der optischen Industrie arbeiten würden, welche Branche würde Sie interessieren? Mein aktueller Job ist sehr abwechslungsreich, ich treffe viele interessante Menschen auf der ganzen Welt, habe ein tolles, motiviertes Team – und nicht zuletzt ist ZEISS eine spannende Marke und ein hervorragender Arbeitgeber. Insofern bin ich sehr zufrieden. In einem anderen Leben hätte ich vielleicht mein Hobby zum Beruf gemacht und wäre Manager im Fußball‐ oder Tennissport geworden.

BdVM: Treffen Sie wichtige berufliche Entscheidungen eher aus dem Bauch oder dem Kopf?
Schiehlen: Es wäre sicherlich von Vorteil, wenn man stets Fakten, Optionen und Risiken gründlich bewerten könnte, um die richtige Entscheidung zu treffen. In der Praxis fehlt mir dafür meist die Zeit: Ich treffe mehr als 100 Entscheidungen am Tag, es muss oft sehr schnell gehen. Da hilft mir das Vertrauen in meine Mitarbeiter, die Experten auf ihrem Gebiet sind, und meinen eigenen Erfahrungsschatz. Ich setze auf offene Kommunikation und signalisiere das dem Team mit einer offenen Bürotür, was mir hilft schnell und direkt zu Entscheidungen zu kommen. Entscheidungen sind bei mir nie zu hundert Prozent Bauch oder Kopf, sondern ein Mix aus beidem.

BdVM: Welcher Ausbildungs‐ und Berufsweg hat Sie zum Vertriebsmanagement geführt?
Schiehlen: Aufgewachsen bin ich im Hotel‐ und Gaststättengewerbe. In diesem Umfeld habe ich sehr früh gelernt, auf Kundenwünsche schnell und professionell einzugehen. M.E. ist in keiner anderen Branche ist der Dienst am Kunden so wichtig wie in der Gastronomie. Als Bankkaufmann hat mir die Arbeit mit Menschen in Kombination mit Zahlen immer viel Spaß gemacht. Anschließend habe ich ein Studium der internationalen Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule in Aalen abgeschlossen. Seit meinem Praxissemester in Madrid spreche ich fließend Spanisch, das hat mir in meiner Karriere so manche Tür geöffnet. Seit 2001 arbeite ich für die Carl Zeiss AG, in der ich seit 2004 im Vertriebsmanagement tätig bin.

BdVM: Was ist Ihre größte Schwäche?
Schiehlen: Ich bin ein Freund von „walk before you run“, das heißt, ich gebe mich auch mal mit 80‐Prozent‐ Lösungen zufrieden und entwickle nicht für jede Entscheidung oder Projekt ein tausend Prozent sicheres Konzept. Damit können nicht alle Kollegen oder Mitarbeiter umgehen. Aber auch Zartbitterschokolade – mit 70 Prozent Kakaoanteil – zähle ich zu meinen größten Schwächen.

BdVM: Mit wem würden Sie gerne einen Monat lang tauschen?
Schiehlen: Als begeisterter Tennisspieler hätte ich viel Spaß daran, einen Monat lang mit Roger Federer zu tauschen. Am liebsten im Wimbledon‐Monat Juli.

 

Die Fragen stellte Laura Heisch, Mitarbeiterin der Geschäftsstelle des Bundesverbands der Vertriebsmanager.