Vertrieb heißt ich muss Berater, Förderer und sogar "Forderer" sein.

Armin Herdegen
Geschäftsführer
Trodat Vertriebs GmbH

Armin Herdegen ist seit November 2015 Geschäftsführer der Trodat Vertriebs GmbH und der Trodat B.V. und verantwortet die Region DACH und BENELUX. Trodat ist ein österreichisches Familienunternehmen und Weltmarktführer bei selbstfärbenden Stempeln. Zuvor war er Vertriebsdirektor bei der Hoya Lens Deutschland GmbH, einem der weltweit führenden Brillenglashersteller. In seiner Heimatbranche, der Augenoptik, hat er schon alle Vertriebspositionen innegehabt. Über den klassischen Außendienst über die Funktion als Key Account Manager bis hin zum Trainer für den Außendienst hat er Vertrieb von der Pike auf gelernt. In den Jahren 2008 bis 2013 hat Armin Herdegen in der Bürobedarfsbranche erst den Vertrieb von ELBA geleitet und später als Vertriebsdirektor und Prokurist die Vertriebs-Geschäfte der Groupe Hamelin in der DACH-Region verantwortet.

Armin Herdegen ist Leiter der BdVM Regionalgruppe Nordrhein-Westfalen.

BdVM: Was sind Ihre besonderen Herausforderungen als Geschäftsführer bei der Trodat Vertriebs GmbH Deutschland?
Herdegen: Trodat ist ein Hidden Champion, wir sind Marktführer weltweit, haben auch in den Regionen die ich mit meinem Team verantworte einen außerordentlich hohen Marktanteil. Zu diesen Ländern gehören neben Deutschland auch Österreich, Schweiz und die Benelux-Länder.

BdVM: Wenn Sie in einem reifen Markt einen hohen Marktanteil haben, stellt sich immer die Frage, woher noch Wachstum generieren?
Herdegen: Wir müssen also neben dem stabilen Halten des Kerngeschäftes neue Handelskanäle entwickeln und neue Produktwelten entstehen lassen. Dazu kommt zusätzlich intern das Bewusstsein für diesen notwendigen Veränderungsprozess zu entwickeln, was umso spannender ist, wenn es dem Unternehmen wirtschaftlich sehr gut geht.

BdVM: Wo sehen Sie den Vertrieb in fünf Jahren?
Herdegen: Vertrieb wird immer herausfordernder, immer anspruchsvoller. Es reicht nicht mehr alleine auf der Beziehungsebene zu spielen und die Zeit des "einsamen Wolfs" ist eh schon lange vorbei. Heute und morgen heißt Vertrieb auf Augenhöhe mit dem Kunden zu agieren, Berater, Förderer und sogar "Forderer" zu sein. D.h. ich muss nicht nur meine eigene Produktwelt perfekt beherrschen, sondern die Anforderungen meines Kunden, seine Handelskanäle kennen…ich muss über Omnichannel-Strategien genauso Bescheid wissen, als auch permanente Veränderungsprozesse im eigenen Unternehmen und bei meinen Kunden aktiv anstoßen und begleiten.

BdVM: Wenn Sie nicht in der PBS-Branche arbeiten würden, welche Branche würde Sie interessieren?
Herdegen: Nach wie vor meine eigentliche Heimatbranche, die Augenoptik. Ich habe nicht nur eine Ausbildung zum Augenoptiker, sondern jahrelang ein eigenes Geschäft geführt und im Vertrieb in der Augenoptik nahezu jedes Produkt und jede Karrierestufe schon durcherlebt. Die Kombination aus Technik, Mode und Gesundheit ist schon sehr reizvoll.

BdVM: Treffen Sie wichtige berufliche Entscheidungen eher aus dem Bauch oder dem Kopf?
Herdegen: Ich versuche zumindest immer einen gesunden Mix hinzubekommen. Gerne zum Start der Entscheidung viel Kopf vor allem zur Sammlung von Informationen, zum Schluss siegt aber meist dann das Bauchgefühl. Allerdings glaube ich auch, dass viele Themen derart komplex sind, dass Intuition oftmals die einzige Chance ist, zu einer Entscheidung zu kommen.

BdVM: Welcher Ausbildungs- und Berufsweg hat Sie zum Vertriebsmanagement geführt?
Herdegen: Von der Augenoptik und einer betriebswirtschaftlichen Zusatzausbildung bin ich im Vertrieb gelandet. Dort durfte ich von der Pike auf alles über Vertrieb lernen. Die ersten Jahre als freier Handelsvertreter für Brillen, dann als Außendienstmitarbeiter bei einem Brillenglashersteller konnte ich mich dort dann für das Key Account Management empfehlen.
Führungsverantwortung hatte ich dann zum ersten Mal in der PBS-Branche als Vertriebsleiter der Feldmannschaft. So durfte ich immer wieder neue Chancen ergreifen und hatte glücklicherweise immer Mentoren und Menschen, die mir die Möglichkeit zum nächsten Schritt geschenkt haben.

BdVM: Für was sind Sie besonders leicht zu begeistern?
Herdegen: Schäufele mit Knödel und einem leckeren Kellerbier, mit meiner Familie zusammen zu sein, mit Freunden in Zeeland (Südzipfel der Niederlande) in einem Strandrestaurant sitzen, Bitterballen essen und auf´s Meer blicken… Wie lang darf die Liste sein?

BdVM: Was wollten Sie schon immer einmal lernen?
Herdegen: Langsamer zu gehen, Niederländisch

Die Fragen stellte Laura Heisch, Mitarbeiterin der Geschäftsstelle des Bundesverbands der Vertriebsmanager.